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Günstiger telefonieren mit Callback
Der Umweg über das Ausland war vor allem vor der Deregulierung interessant
Das Callback-Verfahren beruht auf der Tatsache, dass bis vor kurzem Telefonate aus der Schweiz in die USA oder nach England deutlich teurer waren als andersherum. Es funktioniert, indem man zunächst eine spezielle Rufnummer (meist in den USA) anruft und gleich wieder auflegt. Ein Computer registriert den Anruf und ruft daraufhin bei einer voreingestellten Nummer an. Der Callback-Kunde nimmt dieses Gespräch entgegen und tippt daraufhin die Nummer ein, die er erreichen will. Man muss aber beachten, dass diese Nummer nicht von der Schweiz aus gewählt wird, sondern von dem Land aus, in dem der Callback-Computer steht. Um z.B. über ein US-basiertes Callback-Unternehmen ein Mobiltelefon im Swisscom Natel D-Netz anzurufen, muss 011-41-79 gefolgt von der Mobiltelefon-Nummer gewählt werden.
      Der Nachteil des Callback-Verfahrens ist, dass zwei Telefonleitungen zu einer zusammengekoppelt werden. Egal, auf welcher der beiden Leitungen es gerade knastert oder rauscht - die Störungen werden an beide Teilnehmer übertragen. Die erste dieser beiden Leitungen - der eigentliche Callback - muss vom Callback-Provider ab der Sekunde bezahlt werden, ab der Sie den Callback entgegennehmen - obwohl Sie in den ersten Sekunden ja nichts anderes machen, als eine Telefonnummer einzugeben bzw. darauf zu warten, dass Ihr gerufener Gesprächspartner am anderen Ende endlich abhebt. Wegen dieser Kosten haben sich bei Callback-Unternehmen verschiedene Abrechnungsmodelle eingebürgert:
  1. Manche Callback-Anbieter verlangen ab dem Eintreffen des Rückrufs Gebühren, egal, ob ein Gespräch zustandekommt oder nicht. Dieses ist die teuerste Variante. Beispiel: Sie wollen nach Argentinien telefonieren. Also rufen Sie Ihre Callback-Zugangsnummer an und legen auf. Der Rückruf kommt. Sie heben ab. Ab dieser Sekunde läuft die Uhr. Sie tippen die Rufnummer, was ca. 10 Sekunden dauert. Sie lassen es wiederholt Klingeln. Nach ca. 30 Sekunden geben Sie auf. Auf Ihrer Rechnung erscheinen für diesen erfolglosen Anwahlversuch dennoch 40 Sekunden, bzw. sogar 42 Sekunden, da beim Callback meist in 6-Sekunden-Schritten abgerechnet wird.
  2. Die meisten Callback-Anbieter sind etwas fairer: Ist beim Gegenüber besetzt oder nimmt dieser nicht ab, wird das Telefonat storniert. Wenn aber ein Gespräch zustandekommt, wird dieses ab dem Eintreffen des Callbacks berechnet. Dazu wieder unser vorheriges Beispiel für ein Telefonat nach Argentinien, diesmal etwas abgewandelt: Nach 10 Sekunden der Wahl lassen Sie es 15 Sekunden klingeln, bis Ihr Gesprächspartner abnimmt. Danach telefonieren Sie mit Ihm für zwei Minuten. Auf der Callback-Rechnung erscheinen dennoch bzw. 2 Minuten und 25 Sekunden, bzw. auf 6-Sekunden-Einheiten aufgerundet 2 Minuten und 30 Sekunden.
  3. Am fairsten ist es, wenn nur die Zeiten berechnet werden, die Sie mit Ihrem Gegenüber auch telefonieren. Nur diese Methode der Abrechnung wird als ITU-konform bezeichnet. ITU ist die "International Telecommunications Union", ein internationaler Verband der Telekommunikationsindustrie.
Die meisten Callback-Anbieter ermöglichen Ihnen, nach Drücken einer bestimmten Taste ein weiteres Gespräch zu führen. Das ist nicht immer sinnvoll. Dazu ein Beispiel: Sie rufen erst Teilnehmer A an (besetzt), dann Teilnehmer B (Gespräch kommt zustande). Manche Firmen berechnen Ihnen in diesem Fall die komplette Zeit vom Eintreffen des Callbacks bis Gesprächsende bei B zum Ländertarif von B. Hätten Sie nach dem Besetzt bei A aufgelegt, wäre bei vielen Callback-Unternehmen die Zeit, die Sie für den Anrufversuch bei A gebraucht haben, hingegen annuliert worden.
      Die überwiegende Zahl der Callback-Anbieter arbeitet von den USA aus. Die Preise werden daher in US-$ veröffentlicht. Beim Inkasso gibt es zwei Varianten:
  • Der Anbieter rechnet in den USA ab. Da internationale Überweisungen furchtbar viel Geld kosten, ist dieses Verfahren nur bei Kreditkartenzahlung praktikabel. Das hat den Nachteil, dass man bei unkorrekten Abrechnungen etc. praktisch keine Handhabe gegen die Telefonfirma hat.
          In den USA ist es üblich, die diversen indirekten Steuern (Mehrwertsteuer oder Sondersteuern auf Alkohol, Tabak, Benzin usw.), nicht in die veröffentlichten Preise einzurechnen. Zur Zeit werden wohl bei allen Callback-Telefonaten, die in den USA beginnen oder enden, 3% Telekommunikationssteuer aufgeschlagen. Bei Callback-Telefonaten über die USA fällt die Steuer hingegen nicht an. Ein Nachteil für geschäftliche Telefonierer: In den Preisen der US-Anbieter ist keine schweizer Mehrwertsteuer enthalten, die man sich als Vorsteuer vom Finanzamt zurückholen könnte. Das heisst für Geschäftskunden: Der Tarif eines amerikanischen Callback-Anbieters und einer schweizerischen Telefonfirma lassen sich erst dann direkt vergleichen, wenn man bei dem amerikanischen Callback-Anbieter 7.6% MwSt. hinzurechnet und dann Bruttopreise vergleicht.
  • Einige Callback-Firmen bieten Ihnen auch an, eine Rechnung in CHF zu stellen und von der Schweiz aus an Sie zu schicken. In diesem Fall müssen Sie bei der Umrechnung von US-$ in CHF einmal den Wechselkurs und zum anderen die Mehrwertsteuer berücksichtigen. Eine amerikanische tax fällt in diesem Fall auch bei Telefonaten in die USA nicht an.
Es gibt eine unüberschaubare Zahl an Callback-Anbietern. Allerdings handelt es sich bei den meisten Firmen um Wiederverkäufer der großen Callback-Gesellschaften. Auf diese Web-Seiten sind daher nur wenige, repräsentative Callback-Anbieter aufgenommen worden. Kriterien für die Aufnahme waren unter anderem, dass kein Mindestumsatz berechnet wird.
      Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Bedeutung von Callback in den nächsten Jahren abnehmen wird. Schon heute sind von der Schweiz aus operierende Unternehmen bei vielen Destinationen günstiger als Callback-Firmen. Dieser Trend wird sich fortsetzen.
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