Schon vor der Einführung von
UMTS, der dritten
Generation des Mobilfunks, beschleunigten GPRS (General Packet Radio Service)
und
HSCSD (High Speed Circuit Swiched Data) die
Datenübertragung in den schweizerischen GSM-Mobilfunknetzen. In GSM-Netzen waren
die Daten-Übertragungsraten früher auf magere 9,6 kBit/s beziehungsweise
14,4 kBit/s im Compressed Mode begrenzt. Datendienste und mobiles Internet
waren eine langsame und somit teure Angelegenheit - die GSM-Erweiterungen GPRS und
HSCSD sollten hier Abhilfe schaffen. Auf dieser Seite wird der General Packet
Radio Service vorgestellt, für HSCSD haben wir eine eigene Seite eingerichtet.
Die Funktionsweise von GPRS

Die GPRS-Technologie nutzt die Vorteile der paketorientierten Datenübertragung und
der Kanalbündelung, indem die Daten in einzelne Pakete aufgeteilt und mit
Zusatzinformationen über ihre Zusammengehörigkeit versehen werden. Ermöglicht wird
dies durch die IP(Internet Protocol)-Technologie, die eine
Datenübertragung ohne eine direkte leitungsvermittelnde
Verbindung zum Empfänger möglich macht. Mit Hilfe des GPRS-Systems können die Pakete
durch verschiedene Kanäle des Netzwerks geleitet werden, was die Nutzung freier
Kapazitäten ermöglicht. Die Pakete werden dann beim Empfänger in der richtigen
Reihenfolge zu einem Ganzen zusammengefügt.
Die GSM-Funkkanäle sind in acht Zeitschlitze unterteilt, von denen jeder eine
Datenübertragungsrate von 9,6 Kilobit pro Sekunde (kBit/s) hat. Bei einer
normalen GSM-Datenübertragung belegt der Anwender während der kompletten Dauer
seiner Verbindung einen Zeitschlitz und macht somit Gebrauch von den gesamten
9,6 kbit/s. Wenn alle GSM-Zeitschlitze belegt sind, können keine weiteren
Personen auf die Netzwerk-Verbindungen zugreifen. Der Anwender muss unabhängig
von der übertragenen Datenmenge bei einer normalen GSM-Datenübertragung für die
gesamte Verbindungszeit, die für die Datenübertragung benötigt wird,
zahlen.
Bei der GPRS-Technologie stehen die Zeitschlitze mehreren Nutzern gleichzeitig
zur Verfügung. Damit kann, durch das Versenden individuell adressierter
Informationspakete, die Kapazität des Netzwerks gezielter genutzt werden,
beispielsweise in Übertragungspausen, die bei der herkömmlichen GSM-Datenübertragung
ungenutzt bleiben würden. Die Daten werden in Paketen immer dann übertragen, wenn
Netzkapazitäten frei sind. Damit wird das Netz nicht zusätzlich belastet, jedoch
bedeutet dies auch, dass bei einem ausgelasteten Netz nur sehr wenige Datenpakete
versendet werden können. Hier ist GPRS gegenüber HSCSD klar im Nachteil.
Die Geschwindigkeit von GPRS

Bei höchstem Datendurchsatz von 21,4 kBit/s pro Kanal ergibt sich bei
Bündelung der acht GSM-Kanäle eine maximale Datenübertragungs-Kapazität von
171,2 kBit/s. Diese Übertragungsrate ist jedoch nur ein theoretisch
erreichbarer Wert. Praktisch beschränken sich die Netzbetreiber auf 53,6 kBit/s.
In der Praxis hängt die Übertragungsgeschwindigkeit bei GPRS von verschiedenen
Faktoren ab. So haben die Datenmenge, die zeitgleich von mehreren Anwendern verschickt
wird, die Konfiguration der Mobiltelefone, die GPRS-unterstützende Infrastruktur,
sowie das allgemeine Gesprächsaufkommen einen Einfluss auf die verfügbare
Netzkapazität und damit auf die Geschwindigkeit.
Vorteile von GPRS

Die paketorientierte Vermittlung hat klare Vorteile: GPRS ermöglichte erstmals die
Tarifierung nach übermitteltem Datenvolumen. Das heisst: Der Kunde zahlt nach Menge
und nicht, wie früher, nach Zeit. Anwendungen wie WAP sind
damit deutlich preiswerter, da hier nur wenige Daten übertragen werden. Die Nutzung
von Internetradio oder gar Videostreams bereitet dagegen wenig Freude, da keine
kontinuierliche Datenrate zur Verfügung steht. GPRS macht zudem ein bislang noch
nicht da gewesenes Feature möglich: Die Always-On-Funktionalität. Die lästige und
zeitraubende Einwahlprozedur in das mobile Funknetz entfällt - die Verbindung ist
immer "online". Damit sind auch aus dem Internet bekannte Instant-Messaging-Dienste
wie ICQ oder
AIM auf mobilen Endgeräten möglich -
und bezahlbar, da man für die übertragene Datenmenge und nicht für die Online-Zeit
bezahlt.
sunrise bietet GPRS als erstes Unternehmen in der Schweiz
seit dem 16. Dezember 2000 kommerziell an. Orange
hat GPRS zur Orbit 2001 eingeführt. Bei
Swisscom Mobile fiel der offizielle
Startschuss am 1. Februar 2002, nachdem 2001 zunächst umfangreiche Netz- und
Endgerätetests durchgeführt wurden. Der kleinste der vier Netzbetreiber,
Tele2, startete mit GPRS schliesslich im Jahre 2006.