lezte Meile

Seilziehen um die letzte Meile

diAx reicht Gesuch um Erlass einer Verfügung auf Interkonnektion ein
Von Ralf Beyeler
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Der Zürcher Telekomanbieter diAx fordert von Swisscom den entbündelten Zugang zu den Festnetzkunden. Da Swisscom nicht mit einem entsprechenden Angebot einlenkt, hat diAx bei der Kommunikations-Kommission ComCom ein Gesuch um Erlass einer Verfügung auf Interkonnektion eingereicht. Der Zankapfel ist die sogenannte "letzte Meile" bzw. das Kupferkabel zum Hausanschluss, das sich immer noch fest in den Händen der Swisscom befindet. Als Alternative hätten die Konkurrenzanbieter eigene Netze aufbauen können, was jedoch viel zu teuer wäre. Lediglich in den grösseren Städten haben einige Anbieter wie WorldCom, COLT, Sunrise, diAx oder Multilink eigene Netze aufgebaut, um Geschäftskunden anzubinden.

Swisscom soll gemäss dem Gesuch von diAx nun den Alternativanbietern die letzte Meile zu Interkonnektionsbedingungen zur Verfügung stellen. Im Klartext: diAx will Swisscom nur die kostenorientierten Kosten zuzüglich eines geringen Zinsanteiles bezahlen. Für Kunden, die ihren Anschluss komplett zum Alternativanbieter wechseln, müsste der Telekomanbieter nur noch eine geringe, kostenbasierte, monatliche Grundgebühr an Swisscom abliefern. Somit könnten auch diAx und weitere Anbieter eigene Anschlüsse anbieten. Das Bezahlen der monatlichen Grundgebühr für den Analog- oder ISDN-Anschluss an die Swisscom entfällt, stattdessen erhält diAx oder ein anderer Anbieter diese. Ein Nachteil hat der komplette Wechsel für den Kunden auch: Call-by-Call über andere Netzanbieter sind so gut wie gar nicht möglich, man telefoniert also zu den Konditionen des eigenen Betreibers, ohne auf günstigere Anbieter ausweichen zu können. Ein Vorteil wäre, dass Alternativanbieter günstige Telefon-Flat-Rates oder Internet-Flat-Rates anbieten könnten. Es kann sogar davon ausgegangen werden, dass der Internet-Anschluss als Lockvogel komplett gratis sein wird.

Als bislang einzige Telekommunikationsanbieterin reichte diAx am 31. Juli 2000 das Gesuch um Erlass einer Verfügung auf Interkonnektion ein, um Swisscom zu veranlassen, ihre Monopolstellung im drahtgebundenen Anschlussnetz aufzugeben. Wie diAx in ihrer Pressemitteilung schreibt, kann diAx nur so ihren Kundinnen und Kunden die innovativen schnellen Breitbanddienstleistungen zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten. Ausserdem will diAx mit ihrem Gesuch den Wettbewerb auf der letzten Meile ankurbeln, was sich positiv auf den Wirtschaftsstandort Schweiz, den Erfolg des elektronischen Handels und den Anschluss an die Informationsgesellschaft auswirken wird.

diAx kündigt an, dass sie den Schweizerinnen und Schweizern neue Produkte anbieten wollen, wozu der direkte Zugang zu den Kunden unabdingbar ist. In den EU-Ländern muss der entbündelte Zugang im Anschlussnetz gemäss einem Vorschlag der EU-Kommission bis Ende 2000 verfügbar sein. Dies allerdings heisst noch lange nicht, dass der entbündelte Zugang auch benutzt wird: In Deutschlag ist der entbündelte Zugang seit der Liberalisierung Anfangs 2000 vorgesehen - Trotzdem bieten nur wenige nationale und einige regionale Gesellschaften grösstenteils in einigen wenigen grösseren Städten eigene Anschlüsse an. Die Frage bleibt, ob der Vorstoss von diAx die nationale Abdeckung oder bloss Rosinenpicken zum Ziel hat.

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