massive Kritik

RedTelecom erhöht Tarife für Anrufe in die Mobilfunknetze

Senkung der überrissenen Interkonnektionspreise gefordert
Von Ralf Beyeler
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Der Bieler Telekommunikationsanbieter RedTelecom ist gezwungen, die Tarife für Anrufe in die Mobilfunknetze zu erhöhen. In einer per A-Post versendeten Postkarte informiert RedTelecom über die neuen, ab Samstag, 23. September 2000 gültigen Tarife.

RedTelecom schreibt:"Wir haben lang dagegen gekämpft, aber leider sind auch wir gezwungen, unseren Tarif beim Code 10851 von 37 Rp./Min. auf 59 Rp./Min. zu erhöhen. Es war leider nicht mehr möglich, gleichzeitig eine gute Qualität zu einem guten Tarif zu gewährleisten." RedTelecom-Kundinnen und Kunden haben noch die Möglichkeit, über den Code 10779 für 38 Rp./Min. auf Mobilfunknetze zu telefonieren. RedTelecom hofft, diesen Preis - ohne Qualitätseinbusse - zu halten.

Wie auch andere Anbieter, darunter One.Tel oder Telesonique kritisiert auch RedTelecom die ausserordentlich hohen Interkonnektionsgebühren für Anrufe in die Mobilfunknetze. Diese sind bedeutend höher als die zum Beispiel die den Endkunden verrechneten Tarife für Gespräche vom Handy zum Festnetz, die bereits ab 15 Rappen pro Minute angeboten werden. teltarif.ch liegt die Tarifliste mit den gültigen Interkonnektionstarifen vor. Verbindungen zum Swisscom und Orange-Netz kosten die alternativen Telefongesellschaften im Normaltarif ca. 50.5 Rp./Min. (zzgl. ca. 9.1 Rp./Gespräch) und im Niedertarif ca. 33.7 Rp./Min. (zzgl. ca. 6.1 Rp./Gespräch), sofern diese nicht übers Ausland routen. Für den Zugang zum diAx-Netz bezahlen die alternativen Telefongesellschaften 59.3 Rp./Min. (zzgl. ca. 8.8 Rp./Gespräch) bzw. 39.8 Rp./Min. (zzgl. 5.8 Rp./Gespräch).

Übrigens können diAx-Kundinnen und Kunden bereits ab 32 Rp./Min. in das diAx-Mobilfunknetz anrufen. Tagsüber bezahlen Endkunden damit nur rund die Hälfte dessen, was Telekommunikationsanbieter bezahlen müssen. Da kann irgendetwas nicht stimmen.

Der einzige Weg, diese überrissenen Interkonnektionsgebühren zu umgehen, war bislang, diese Gespräche über das Ausland umzuleiten. Doch das Bundesamt für Kommunikation BAKOM verlangt, dass bei jedem Anruf in der Schweiz die Anruferkennung (CLI) übermittelt werden muss. Damit werden die bereits beschränkten Kapazitäten für günstigen Übertragungswege übers Ausland noch mehr reduziert. Damit müssen mehr Gespräche in die Mobilfunknetze direkt über die Netzanbieter geroutet werden. Das führt zu erhöhten Mischkalkulationspreisen der Anbieter, die schliesslich auf den Endkunden überwälzt werden.

RedTelecom kritisiert die jetzigen Preise massiv:"Die Mobilanbieter müssen gezwungen werden, ihre überrissenen Interkonnektionspreise zu senken. Erst wenn das Oligopol der drei Mobilanbieter gebrochen ist, wird man wirklich von der Liberalisierung sprechen können. Wir werden alles daran setzen, eine wirkliche Liberalisierung des Schweizer Telekommarktes und faire Wettbewerbsbedingen zu erkämpfen. Obwohl wir die Tarife momentan erhöhen müssen, versichern wir Ihnen, dass wir unser Bestes tun, um diese Tarife badmöglichst wieder nach unter zu korrigieren."

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