Kein Kompromiss?

Napster will geschützte Songs aus dem Internet nehmen

Plattenindustrie ist trotzdem nicht zufrieden
Von dpa / Marie-Anne Winter
Kommentare (4574)
AAA
Teilen

Die Musik-Tauschbörse Napster will seit dem vergangenen Wochenende an geschützte Musiktitel aus ihrem Internet-Angebot nehmen. Mit diesem Zugeständnis an die Plattenindustrie wollen die "Napsteraner" die Schliessung ihrer Tauschbörse in letzter Minute verhindern. Vor einem Berufungsgericht in San Francisco versprachen die Napster-Anwälte am Freitag, schon von diesem Wochenende an das Herunterladen von geschützten Musiktiteln über ihr Internet-Angebot zu unterbinden. Richterin Marilyn Hall Patel hatte nach der Verhandlung am selben Tag noch kein abschliessendes Urteil gefällt, kündigte jedoch an, bald eine überarbeitete Fassung ihrer Verfügung gegen das Unternehmen vorzulegen.

"Wir akzeptieren das", sagte Napster-Anwalt David Boies. "Napster wird die Datei-Namen (nach geschützten Titeln) durchforsten." Musikfans müssen nach Angaben der Anwälte bei Napster monatliche Mitgliedsbeiträge zahlen. Auch könne die Nutzung von Mitgliedern je nach dem Grad ihrer Mitgliedschaft beschränkt werden. Boies sagte, auf der Internet-Seite seien mehr als eine Million Titel gespeichert, die Musikfans bisher mit ihrem Computer kostenlos herunterladen können. Software-Experten bei Napster hätten inzwischen die Programme zur Verfügung, um geschützte Titel herauszufiltern. Seit kurzem experimentiert Napster zusammen mit Bertelsmann an einer kostenpflichtigen Version seines Programms.

Der Verband der Amerikanischen Plattenindustrie lehnte am Freitag das Angebot von Napster ab, für die nächsten fünf Jahre eine Milliarde Dollar für eine Zusammenarbeit und die Beilegung des Rechtsstreits zu zahlen. Napster solle Honorare mit den Plattenfirmen einzeln aushandeln, entgegnete die Anwältin der Plattenindustrie, Hillary Rosen. Zur technischen Herausforderung, geschützte Titel herauszufiltern, sagte Rosen: "Wir sind bereit zu helfen." Die Plattenindustrie listete 6 500 Titel auf, die von der Napster Web- Seite illegal herunter geladen worden seien.

Vor dem Gericht klagt die Musikindustrie gegen die Internet- Tauschbörse wegen des Verstosses gegen das Urheberrecht. Patel hatte bereits im vergangenen Juli die Schliessung von Napster wegen Verletzung des Urheberrechts angeordnet. Dagegen hatte das inzwischen mit dem Medienriesen Bertelsmann verbündete Unternehmen Berufung eingelegt. Mitte Februar hatte Napster vor dem Berufungsgericht dann eine schwere Niederlage erlitten. Die Bundesrichter bestätigten die einstweilige Verfügung gegen Napster, die von der Musikindustrie angestrengt worden war. Die Richter äusserten ernste Bedenken gegen das kostenlose Herunterladen von urheberrechtlich geschützter Musik und machten Napster für die Einhaltung des Urheberrechts verantwortlich. Sie schickten den Fall zur Neuformulierung an Richterin Patel zurück.

Diese Nachricht entstand in Zusammenarbeit mit unserer Partnerseite in Deutschland teltarif.de.

Teilen