aufgeklärt

Ursache der Störung auf dem NATEL-Netz von Swisscom Mobile ist geklärt

Verkettung von mehreren technischen Pannen führte zum Totalausfall
Von Karin Müller
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Die Ursache der am vergangenen Freitag, 27. Juli, im Mobilfunknetz von Swisscom Mobile aufgetretenen Störung liegt in der Verkettung zweier gravierender technischer Pannen. Ein Software-Fehler eines Zentralrechners in Lausanne war Ausgangspunkt der Störung, ein zusätzlicher technischer Fehler führte zur Überlastung und schliesslich zum Ausfall des automatisch eingesetzten Sicherheitsrechners. Die Störung trat vergangenen Freitag mittag auf und konnte noch am gleichen Tag um 22:30 Uhr behoben werden. Seither läuft das Natel-Netz nach Aussagen von Swisscom stabil. Umfassende Analysen bestätigten in den letzten Tagen die Wirksamkeit der getroffenen Massnahmen.

Die Ursache der Störung wurde in den letzten Tagen im Detail und in enger Zusammenarbeit mit dem Systemlieferanten analysiert. Im Netz von Swisscom Mobile sind ein Zentralrechner und ein gleich ausgelegter Sicherheitsrechner verantwortlich für sämtliche Signalisationsverbindungen im Mobilnetz. Die Signalisationsrechner sorgen für die Steuerung der Verbindungen und stellen sicher, dass Mobilfunkkunden jederzeit erreichbar bleiben und die Gesprächsverbindungen korrekt geschaltet werden. Die beiden Zentralrechner sind so ausgelegt, dass bei einem Ausfall des einen Rechners die ganze Last durch das alternative System übernommen werden kann.

Aufgrund falsch verarbeiteter Befehle ist am Freitag mittag der Zentralrechner in Lausanne als Folge eines Softwarefehlers vollständig ausgefallen. Wie in solchen Fällen vorgesehen übernahm der redundante Rechner in einer anderen Lokalität vorerst für rund eine Stunde die Last. Bedingt durch einen zweiten, unterschiedlichen Softwarefehler in diesem Sicherheitsrechner kam es jedoch zu einer Art Kettenreaktion, welche die Kapazität des Systems massiv reduzierte und im Laufe des Nachmittags zu einem fast vollständigen Ausfall des Signalisierverkehrs im Schweizer Natel-Netz führte.

Das Fehlverhalten dieser Rechner konnte beim Systemlieferanten von Swisscom Mobile im Testumfeld nachgewiesen werden. Mit entsprechenden Softwarekorrekturen wurden die Fehler im Laufe des Freitags nacheinander in beiden Zentralrechnern korrigiert. Aufgrund der zahlreichen Anrufversuche der Natel-Kunden konnte das Netz nur etappenweise ab 17 Uhr hochgefahren werden, was längere Zeit in Anspruch nahm.

Einzelne Fehler in komplexen Software-Systemen sind trotz umfassenden Tests vor dem Einsatz nicht auszuschliessen. Swisscom Mobile setzt ein System ein, das mit Erfolg weltweit verwendet wird. Die fehlerhafte Software funktionierte während den letzten Wochen vor der Störung einwandfrei. Swisscom Mobile prüft aufgrund des Vorfalls allfällige Schadenersatzansprüche gegenüber dem Systemlieferanten.

Trotz des Vorfalls sind die Verantwortlichen von Swisscom Mobile überzeugt, über eines der technisch modernsten Mobilfunknetze zu verfügen. Die Verfügbarkeit des Natel-Netzes liegt nach den Erfahrungen der letzten Jahre bei über 99,95 Prozent. Eine 100prozentige Verfügbarkeit ist in komplexen technischen Systemen nicht erreichbar und gemäss den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Swisscom auch nicht garantiert. Wie bereits am Freitag angekündigt wird Swisscom Mobile jedoch als Entgegenkommen ihren Abo-Kunden (Postpaid) die Gesprächs- und SMS-Kosten für den Donnerstag, 26. Juli, und Freitag, 27. Juli, erlassen (nationale Gespräche sowie SMS ab Mobilnetz, ohne Business Numbers und Infoservice). Abo-Kunden erhalten zusätzlich 5 CHF auf der Juli-Rechnung gutgeschrieben, Natel-easy-Kunden (Prepaid) erhalten eine Gutschrift von 5 CHF auf ihrem Guthaben. Die Natel-easy-Kunden erhalten diese Gutschrift im Laufe des August.

Swisscom Mobile bedauert den Vorfall noch einmal ausserordentlich und setzt weiter auf das Vertrauen der über 3,3 Millionen Kundinnen und Kunden.

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