Klage

Tele2 klagt gegen Swisscom

Tele2 reicht bei der WEKO Anzeige gegen das Verhalten von Swisscom ein
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Die Tele2 Telecommunication Services AG hat gestern bei der Wettbewerbskommission (WEKO) Anzeige gegen Swisscom AG eingereicht. Tele2 wirft der Swisscom dabei vor, sie missbrauche ihr Monopol für die letzte Meile (local loop), um mit verschiedenen Angeboten Kundinnen und Kunden, die mit alternativen Anbietern telefonieren, wieder zurückzugewinnen. Tele2 nennt dabei einige Beispiele:

  • Kunden, welche mit "Call-by-Call" bei einem Alternativanbieter sind und mit einem Sperrset von Swisscom spezielle Nummern (z.B. 0900 Nummern) sperren lassen, wird es neuerdings von Swisscom verunmöglicht über einen Alternativanbieter, zum Beispiel Tele2 (mit Sparcode 10753), zu telefonieren. Anrufe können nur noch getätigt werden, wenn Sie bei der jeweiligen Telefongesellschaft über die automatische Vorwahleinstellung (Preselection) verfügen. Als weitaus gravierendere Konsequenz aus dem Verhalten der Swisscom können Tele2-Kunden, die einen vorprogrammierten Tele2-Apparat haben und bei der Swisscom Sperrsets bestellt haben, überhaupt nicht mehr telefonieren. Diese Kunden beschweren sich bei Tele2, dass ihr Tele2-Apparat nicht funktioniere. Die Ursache liegt jedoch bei den neuen Sperrsets von Swisscom, die keine Call by Call zulassen.
  • Swisscom bietet Dienstleistungen aus dem Monopolbereich (ISDN-Angebote), welche die anderen Mitbewerber aus technischen Gründen nicht anbieten können, ausdrücklich "exklusiv" nur den bestehenden oder künftigen Swisscom Kundinnen und Kunden an. Swisscom macht diese Monopol-Dienstleistungen (ISDN-Combi) somit von der Wahl von Swisscom als Carrier abhängig. Mit anderen Worten: Swisscom kämpft mit längeren Spiessen als Tele2 auf dem liberalisierten Festnetztelefoniemarkt.
  • Tele2-Kunden erhalten zwei Rechnungen (Gesprächsgebühren von Tele2 und Anschlussgebühren von Swisscom), da Swisscom das Monopol auf der letzten Meile hat. Swisscom legt diesen Rechnungen an Tele2-Kundinnen und Kunden Werbung in eigener Sache bei. Tele2 wird dadurch diskriminiert, da Swisscom einen Wettbewerbsvorteil hat (Gratis-Mailings an Konkurrenzkunden) und Tele2-Kundinnen und Kunden den Erhalt von zwei Rechnungen nicht schätzen.
Deshalb hat Tele2 nun Anzeige gegen das Verhalten von Swisscom eingereicht, in der folgende Hauptanträge gestellt werden:
  1. Es sei die Missbräuchlichkeit des Verhaltens von Swisscom festzustellen.
  2. Es sei Swisscom generell zu verbieten, Tele2-Kunden gleichzeitig mit der Rechnungsstellung mit Werbematerial der Swisscom zu beliefern und/oder Kundendaten im Zusammenhang mit der Basisgebühr sonstwie für eigene Zwecke zu verwenden.
  3. Es sei Swisscom generell zu untersagen, Dienstleistungen, welche die anderen Mitbewerber aus technischen Gründen nicht anbieten können (Monopol-Dienstleistungen), ausschliesslich den bestehenden oder künftigen Swisscom Kunden anzubieten und diese Dienstleistungen von der Wahl von Swisscom als Carrier abhängig zu machen.
  4. Es sei Swisscom generell zu untersagen, Dienstleistungen anzubieten oder technische Sperren einzurichten, mit denen alternative Anbieter an der Erbringung von Dienstleistungen (z.B. Call-By-Call-Telefonate) gehindert werden.
Tele2 verlangt eine Vorabklärung und eine Untersuchung nach Kartellgesetz. Zudem stellt Tele2 beim Sekretariat der Wettbewerbskommission das Gesuch um Erlass superprovisorischer vorsorglicher Massnahmen. Dies um Tele2-Kunden per sofort vor Nachteilen zu bewahren. Dazu Roman Schwarz, General Manager Tele2 Central Europe: "Tele2-Kunden werden von Swisscom diskriminiert. Die Ungleichbehandlung und drohende Marktverwirrung kann nur durch ein schnelles Eingreifen der Wettbewerbsbehörden verhindert werden. Swisscom hat zudem ihre diskriminierenden Angebote bis 31. August 2001 befristet, um den Druck auf die Tele2-Kunden zusätzlich zu erhöhen. Deshalb fordert Tele2 rasche Massnahmen."
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