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Widerstand gegen Swisscom wächst

Nach Tele2 fordert nun auch der VIT Sanktionen wegen Diskriminierung durch Swisscom
Von Karin Müller
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Vor ein paar Wochen berichtete teltarif.ch über die Anzeige von Tele2 bei der Wettbewerbskommission (WEKO) gegen das Verhalten von Swisscom. Swisscom kämpft mit harten Bandagen um ihre früheren Kunden, die sie seit der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes in der Schweiz an alternative Anbietern verloren haben. Dabei nutzt sie in erster Linie ihre Monopolstellung im Bereich der sogenannten letzten Meile ("Local Loop") aus. Zum Beispiel richtet Swisscom ISDN-Angebote ausschliesslich an die eigenen bestehenden oder zukünftigen Festnetzkunden. Durch die Einführung von sogenannten Sperrsets können keine Gespräche mehr über andere Anbieter mittels Call-by-Call geführt werden. Auch verschickt Swisscom mit den Telefonrechnungen an die Kunden und Kundinnen der alternativen Anbieter Werbung in eigener Sache.

In allen Anklagepunkten erhält Tele2 nun Unterstützung durch den Verband Inside Telecom (VIT). Dieser hält das Vorgehen von TELE2 für äusserst begrüssenswert. Der Verband fordert dazu auf, den diskriminierenden Verhaltensweisen von Swisscom so bald wie möglich ein Ende zu setzen.

Er bemängelt, dass die Teilnehmeranschlussleitungen, die sogenannte letzte Meile (Local Loop), mit denen die Anschlüsse der einzelnen Telefonkunden an die Ortszentralen angebunden werden, auch mehr als drei Jahre nach Beginn der Liberalisierung des Telekom-Marktes immer noch ausschliesslich in den Händen von Swisscom sind. Jeder Kunde, der über das Festnetz telefonieren will, muss daher Swisscom nach wie vor jeden Monat rund Fr. 25.- für den Anschluss an das Telefonnetz bezahlen, auch wenn er sich zum Telefonieren für einen alternativen Telefondienstanbieter entschieden hat. "Obwohl sich sowohl das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) als auch die WEKO positiv zur Entbündelung des Local Loop ausgesprochen haben und diese als unerlässlich für einen funktionierenden Wettbewerb im Bereich der Telekommunikation betrachten, ist die Entbündelung immer noch nicht erfolgt."

Der VIT fordert, dass der direkte Kontakt zwischen den Kunden von alternativen Telefondienstanbietern und der Swisscom aus wettbewerbsrechtlicher Sicht unbedingt unterbunden werden sollte. Dies wäre zum Beispiel möglich, wenn der Rechnungsversand durch die alternativen Anbieter direkt getätigt wird und diese dann ihrerseits mit Swisscom abrechnen.

Der Verband ist der Ansicht, dass das Verhalten der Swisscom dem Telekommunikationswettbewerb an sich erheblich schadet: "Es ist aber gerade in diesem hart umkämpften Markt von entscheidender Bedeutung, dass wettbewerbsrechtlich Grundlagen geschaffen werden, welche es den Anbietern ermöglichen, mit gleich langen Spiessen aufzutreten. Die Telefondienstanbieter haben in den vergangenen Jahren unter grossen Aufwendungen und hohen Investitionen ihren Kundenstamm aufzubauen und zu erhalten versucht. Es kann nicht fairem Wettbewerb entsprechen, wenn Swisscom gestattet wird, ihre durch die frühere Monopolstellung begründeten Infrastrukturvorteile im Konkurrenzkampf gegen die anderen Anbieter zu verwenden, und mit Angeboten, auf welche von diesen aus technischen Gründen nicht reagiert werden kann, Kunden abzuwerben."

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