gute Zahlen

Swisscom steigert Halbjahresgewinn - Umsatz wächst kaum

Das Unternehmen plant für 2003 Investitionen in der Höhe von rund 1,3 Milliarden Franken
Von Marie-Anne Winter
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Die Telekom-Gesellschaft Swisscom hat im ersten Halbjahr 2003 bei nahezu gleich gebliebenem Umsatz deutlich mehr verdient als im Vorjahr. Der Reingewinn stieg um 22 Prozent auf 952 Millionen Franken. Die Erlöse verbesserten sich dagegen nur um 0,3 Prozent auf 7,15 Milliarden Franken. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet Swisscom mit einem leichten Umsatzrückgang.

Fixnet: Gewinnsteigerung trotz rückläufigem Umsatz

Dem Segment Fixnet gelang es im ersten Halbjahr 2003, durch Effizienzsteigerungen den EBITDA trotz rückläufigem Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 11,3 Prozent zu steigern. Der Umsatz mit Dritten von Fixnet sank im ersten Halbjahr 2003 um 7 Prozent. Der Umsatzzunahme bei den Anschlussgebühren auf Grund des starken Wachstums bei den Breitbandanschlüssen (ADSL) stand eine Umsatzabnahme beim Verkehr Retail und dem internationalen Wholesale-Geschäft gegenüber. Durch die Änderung der Verbuchungsmethode bei den Business Numbers nahmen der übrige Umsatz um 56 Millionen Franken und der Umsatz aus dem Verkehr Wholesale um 7 Millionen Franken ab. Diese Änderung hat keine Auswirkungen auf den EBITDA. Die Vorjahreszahlen wurden nicht angepasst, weil die Auswirkungen nicht wesentlich sind.

Der Umsatz des Verkehrs Retail nahm gegenüber dem Vorjahr um 5,7 Prozent ab. Der Rückgang ist darauf zurückzuführen, dass nach der im zweiten Quartal 2002 eingeführten neuen Nummerierung der Swisscom-Marktanteil im Nahbereich auf das Niveau des Fernbereichs fiel. Swisscom führte zudem auf den 1. Mai 2002 einen nationalen Einheitstarif im Festnetz ein. Der nationale Einheitstarif hat einen geringen negativen Nettoeffekt auf den Umsatz. Zudem nahm das Verkehrsvolumen als Folge der anhaltenden Substitution durch Mobilfunk und die Migration von Internet-Verkehr auf Business Numbers weiter ab. Teilweise konnte der Rückgang durch eine Zunahme der Umsätze aus Fix-to-Mobile und Verkehr International kompensiert werden.

Der Umsatzrückgang beim Verkehr Wholesale von 121 Millionen war vor allem auf die im Vorjahr erfolgte Schliessung von lokalen Verkaufsstellen in mehreren europäischen Ländern und den Verkauf der Geschäftsaktivitäten von Swisscom North America im vierten Quartal 2002 zurückzuführen. Die aufgegebenen oder verkauften Geschäftsaktivitäten verzeichneten eine sehr tiefe Marge, so dass die Auswirkungen auf den EBITDA gering sind.

Die Position Anschlussgebühren umfasst Gebühren für analoge und digitale Anschlüsse, Breitbandanschlüsse (ADSL) von Retail- und Wholesale-Kunden sowie Internet-Abonnementsgebühren. Der Umsatz stieg dank der wachsenden Zahl an ADSL-Anschlüssen um 7,4 Prozent auf 838 Millionen Franken. Die Zahl der ADSL-Anschlüsse nahm gegenüber dem Vorjahr um 216'000 auf 317'000 Anschlüsse zu. Davon entfallen 177'000 Anschlüsse auf Bluewin Retail-Kunden und 140'000 Anschlüsse auf Kunden von anderen Anbietern.

Die übrigen Umsätze von Fixnet nahmen um 60 Millionen ab. Dies ist vor allem auf die geänderte Verbuchungsmethode bei den Business Numbers von anderen Anbietern zurückzuführen. Der Effekt daraus betrug für das erste Halbjahr 56 Millionen. Der Umsatzrückgang mit anderen Segmenten um 76 Millionen ist vor allem auf mengen- und preisbedingt tiefere Umsätze mit Enterprise Solutions zurückzuführen.

Mobile: Mehr Umsatz mit mehr Kunden

Das Segment Mobile steigerte den Umsatz mit Dritten im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 Prozent auf 1'676 Millionen Franken. Die Umsatzzunahme von 2,7 Prozent bei Connectivity Voice ist im Wesentlichen auf die Zunahme der Anzahl der Teilnehmer zurückzuführen. Die Anzahl der Teilnehmer konnte netto um 187'000 auf 3'675'000 gesteigert werden. Im Gegensatz dazu nahmen die durchschnittliche Anzahl der verrechneten Minuten (AMPU) und der durchschnittliche Umsatz pro Kunde (ARPU) gegenüber dem Vorjahr ab. Die Abnahme des ARPU ist vor allem auf den anhaltenden Preiskampf im Geschäftskunden-Segment sowie Abonnementswechsel der Privatkunden zurückzuführen.

Der Umsatz von Connectivity Data und Value Added Services reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr um 5,1 Prozent. Die Abnahme resultiert vor allem aus der Änderung der Verbuchungsmethode bei den Business Numbers; ab 2003 werden die Umsätze mit Business Numbers netto, d.h. nach Abzug der Anteile der Dienstanbieter ausgewiesen. Die Umsatzabnahme aus der neuen Verbuchungsmethode betrug 23 Millionen Franken. Die Änderung hat keine Auswirkungen auf den EBITDA. Die Vorjahreszahlen wurden nicht angepasst, da die Auswirkungen nicht wesentlich sind. Die Zahl der versendeten SMS stieg um 13,5 Prozent.

Der Betriebsaufwand von Mobile sank im Vergleich zum Vorjahr um 57 Millionen Franken. Dem gestiegenen Personalaufwand standen tiefere Kosten für Endgeräte und Netzkosten sowie der Nettoeffekt aus der geänderten Verbuchungsmethode bei den Business Numbers gegenüber. Die durchschnittlichen Kosten pro Kunde für Kundenakquisitionen und -bindung (Retention) konnten im Vergleich zum Vorjahr gesenkt werden. Aufgrund einer Neuregelung mit Vodafone für den Zugang zu ihren Produkten, Dienstleistungen und Plattformen werden im zweiten Halbjahr 2003 zusätzliche Kosten anfallen. Zudem wird im zweiten Halbjahr 2003 die Einführung von Vodafone Live erwartet.

Das Betriebsergebnis (EBITDA) stieg als Folge des tieferen Betriebsaufwands um 62 Millionen auf 1'056 Millionen Franken. Die EBITDA-Marge betrug 52,0 Prozent (Vorjahr 49,0 Prozent). Für das gesamte Jahr 2003 rechnet Mobile im Vergleich zum Vorjahr mit einer leichten Steigerung des Umsatzes und des EBITDA.

Der Umsatz mit Dritten bei Enterprise Solutions reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent auf 644 Millionen Franken. Im nationalen Verkehr sanken Umsatz und Volumen wie bei Fixnet vor allem als Folge der im Vorjahr eingeführten neuen Nummerierung, des nationalen Einheitstarifs und der Substitution durch Mobilfunk. Die Abnahme im Bereich Networking ist vor allem auf tiefere Umsätze mit Mietleitungen zurückzuführen. Der Betriebsaufwand nahm im Vergleich zum Vorjahr um 10,2 Prozent ab. Die Abnahme ist vorab auf tiefere Transferpreise und geringere Volumen im Verkehr mit Fixnet zurückzuführen. Im Betriebsaufwand sind Aufwendungen für Stellenabbau von 32 Millionen Franken. (Vorjahr 11 Millionen Franken) enthalten. Der EBITDA nahm um 9 Millionen auf 55 Millionen Franken ab. Für das Jahr 2003 wird aufgrund der neuen Nummerierung im Jahr 2002, dem Umsatzrückgang bei den Mietleitungen und dem allgemeinen Preis- und Konkurrenzdruck mit einem tieferen Umsatz und auf Grund von Kosteneinsparungen mit einem EBITDA in der Höhe des Jahres 2002 gerechnet.

Deutsche Mobilfunktochter debitel erfolgreich

debitel steigerte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 13,5 Prozent. Bereinigt um Wechselkurseffekte nahm der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 11,1 Prozent zu. Der Teilnehmerbestand erhöhte sich seit Jahresanfang um netto 133'000 auf 10,2 Millionen Teilnehmer. Der Teilnehmerbestand Deutschland wuchs dabei um netto 187'000; der Teilnehmerbestand International hingegen nahm um netto 54'000 ab. Die Steigerung des Teilnehmerbestandes in Deutschland erfolgte vor allem im Postpaid-Bereich. Der Umsatzanstieg in Deutschland von 16,8 Prozent ist vor allem auf die Ausweitung des telefonienahen Handelsgeschäftes und den wachsenden Teilnehmerbestand zurückzuführen.

Das Betriebsergebnis (EBITDA) nahm im Vergleich zum Vorjahr um 39 Millionen Franken ab. Die Abnahme resultiert vor allem aus den mit dem Teilnehmerbestand verbundenen Kundenakquisitionskosten. Im Jahr 2002 wurde auf dem Goodwill von debitel eine Wertminderung (Impairment) von 702 Millionen Franken gebucht. Die künftigen jährlichen Goodwillabschreibungen reduzieren sich dadurch um rund 104 Millionen. Für das laufende Jahr rechnet debitel auf Grund des gestiegenen Teilnehmerbestandes mit einem höheren Gesamtumsatz, aber einem tieferen EBITDA. Der tiefere EBITDA ist vor allem auf die mit dem Teilnehmerzuwachs verbundenen Kundenakquisitionskosten sowie einen tieferen ARPU zurückzuführen.

Weniger Umsatz in den übrigen Segmenten

Das Segment Übrige umfasst die Gruppengesellschaften Swisscom Systems AG, Swisscom IT Services AG, Swisscom Broadcast AG, Billag AG und Swisscom Eurospot AG. Der Umsatz mit Dritten sank im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 Prozent. Die Abnahme ist vor allem auf tiefere Umsätze von Swisscom Systems im Bereich der Teilnehmervermittlungsanlagen zurückzuführen. Der Betriebsaufwand konnte dank Kosteneinsparungen um 10,5 Prozent gesenkt werden. Im Betriebsaufwand sind Aufwendungen für Stellenabbau von 4 Millionen Franken enthalten. Bei Swisscom Eurospot AG fallen im zweiten Halbjahr 2003 Kosten im Zusammenhang mit dem Aufbau des internationalen WLAN-Geschäfts an.

Da für den bei Swisscom Systems AG im Jahr 2002 angekündigten Abbau von 470 Vollzeitstellen die Kosten von 80 Millionen Franken bereits im vierten Quartal 2002 erfasst wurden, wird der EBITDA des Segments Übrige 2003 höher ausfallen als im Vorjahr.

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