Schluss mit Abzocke?

Neue Regeln im Umgang mit 090x-Nummern

Inkasso nur noch bei Vereinbarung gegen Missbrauch
Von Thomas Wischniewski

Die drei Schweizer Netzbetreiber Orange, sunrise und Swisscom wollen zukünftig gemeinsam stärker gegen Missbrauch bei gebührenpflichtigen 090x-Nummern vorgehen. Dazu haben die drei Unternehmen jüngst eine Vereinbarung getroffen, die sowohl Angebote via Telefon als auch über das Internet, so genannte Dialer, betreffen.

Sinn und Zweck der Vereinbarung ist, einen verbesserten Kundenschutz durch eine wirkungsvollere Bekämpfung missbräuchlicher Angebote zu erzielen. Faire und nützliche Mehrwertdienste-Angebote sollen zudem nicht weiter in Verruf gebracht werden. Mit dem nun bekannt gewordenen Vorgehen werden die bereits bestehenden Massnahmen u.a. im Rahmen der Sicta-Branchenvereinbarung verschärft.

Die drei Unternehmen machen sich dabei zu Nutze, dass im Bereich der Mehrwertdienste meist verschiedene Unternehmen beteiligt sind. Üblicherweise zahlt der Kunde Rechnungen der Mehwertdienste-Anbieter über den Netzbetreiber, also beispielsweise Orange, sunrise oder die Swisscom. Der Netzbetreiber übernimmt das Inkasso im Auftrag des Fernmeldedienstanbieters, bei dem die 090x-Nummer des eigentlichen Dienstanbieters eingerichtet ist.

Letztlich bestimmt der 090x-Diensteanbieter den Preis des Dienstes, also die Minuten- bzw. Einmalgebühr des Angebots. Zudem liegt bei den 090x-Diensteanbietern die Verantwortung für den Inhalt und den Betrieb des Mehwertdienstes.

Künftig wollen Orange, sunrise und Swisscom die Inkassodienstleistung nur noch für diejenigen Unternehmen erbringen, welche die Vereinbarung gegen Missbrauch bei Mehrwertdiensten als vertragliche Grundlage unterzeichnet haben. Wie diese vertragliche Vereinbarung konkret gestaltet wird, wurde teltarif auf Anfrage leider nicht mitgeteilt.

Von den Netzbetreibern war nur so viel zu erfahren: Die Vereinbarung wird in die bestehenden Interkonnektionsverträge mit den Diensteanbietern integriert. Wenn künftig ein Anbieter von Mehrwertdienst-Nummern gegen diese Regeln verstösst, erhält er seinen Anteil nicht mehr ausbezahlt. Unterschreibt der Mehrwertdienste-Anbieter diese Regelung nicht, muss er sein Inkasso selbst vornehmen.

Die seitens der Netzbetreiber kassierten Gebühren werden nicht mehr an die Mehrwertdienstebetreiber überwiesen, sobald ein Missbrauch ruchbar wird. Indiz dafür wären laut Pressemitteilung gehäufte und begründete Kundenreklamationen, auffällige Verkehrsmuster oder eine Anzeige durch das Bakom.

Bei wiederholtem Missbrauch der Mehrwertdienstnummer soll die Inkassoleistung gekündigt werden. Die wohl wirkungsvollste Möglichkeit - die komplette Abschaltung der fragwürdigen Mehrwertdienstnummer - ist den Netzbetreibern aufgrund einer gesetzlichen Regelung nicht erlaubt. Zudem findet die Vereinbarung ausschliesslich Anwendung im Zusammenhang mit der Erbringung von Mehrwertsdiensten (090x; 080x; 18x) - andere missbräuchliche Dienste-Angebote sind von der Vereinbarung ausgeschlossen.