UMTS-Moratorium

Parlamentarische Initiativen streben UMTS-Moratorium an

Anbieter haben bereits Milliardenbeträge investiert
Von Mirko Hertrich

Die drei Schweizer UMTS-Anbieter Swisscom Mobile, Orange und sunrise müssen möglicherweise um ihre milliardenschweren Investitionen in die neue Mobilfunk-Technologie bangen. Zwei parlamentarische Initiativen wollen vom Bundesrat über eine verschärfte Verordnung zur nichtionisierenden Strahlung (NIS-Verordnung) ein UMTS-Moratorium erwirken, bis die gesundheitlichen Strahlenrisiken der neuen Funktechnologie abgeklärt sind. Ähnliche Forderungen stellen das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) sowie Ärzte- und Umweltverbände. Dies berichtet die Neue Züricher Zeitung (NZZ) unter Berufung auf zuverlässige Quellen.

Die von den Grünen sowie aus dem bürgerlichen Lager kommenden Intitiativen wollen den Bundesrat konkret aufordern, über eine neue NIS-Verordnung die Zahl der UMTS-Antennen markant zu reduzieren. Zudem soll der Start der dritten Mobilfunk-Generation (3G) um mindestens vier Jahre verschoben werden, bis eine Studie den Beweis für die gesundheitliche Unbedenklichkeit der neuen Technologie erbracht hat. Eine entsprechende Untersuchung ist nach Informationen des Blattes bereits eingleitet worden. Mit definitiven Resultaten wird aber frühestens Ende 2005 gerechnet. Total sind für die drei Schweizer UMTS-Netze rund 4'000 neue Antennen geplant.

Nach Einschätzung der Zeitung dürfen die parlamentarischen Initiativen angesichts der heftigen Debatte um die Strahlung von Handys und Antennen auf breite politische Unterstützung hoffen. Der Widerstand ist durch eine im vergangenen Herbst veröffentlichte Studie sogar massiv gewachsen. Die niederländische Untersuchung hat ergeben, dass eine Mehrheit von Probanden, die unwissentlich einer geringen Strahlung von UMTS-Netzen ausgesetzt wurden, bereits nach einer Dreiviertelstunde über Kopfweh, Schwindel, Übelkeit und Herzprobleme klagte.

In der Schweiz gingen am Nikolaustag 2000 vier UMTS-Lizenzen für je 50 Millionen Franken an Swisscom, dSpeed (sunrise und Diax), Orange und die spanische Telefonica, die aber später wieder ausstieg. Die verbliebenen drei UMTS-Anbieter wollen bis Jahresende mindestens 50 Prozent der Schweizer Bevölkerung abdecken, wie dies das Bundesamt für Kommunikation fordert. Hierfür haben sie bereits Milliardenbeträge investiert.