Vorschlag

Swisscom fordert Kompromiss bei letzter Meile

Nur das Kupferkabel für Festnetztelefonie soll geöffnet werden
Von Björn Brodersen

Hin und her geht es beim Thema Öffnung der letzten Meile: Erst wollte die Nationalratskommission das Fernmeldegesetz (FMG) gar nicht abändern, dann schlug sie vor, sämtliche Netze für den Wettbewerb freizugeben - das Kupferkabel für die Festnetztelefonie, die Glasfasernetze, die Mobilfunknetze und die TV-Kabelnetze. Gar nicht einverstanden zeigt sich nun Swisscom-Chef Jens Alder mit dem Kommissionsvorschlag. Wie die Berner Tageszeitung Der Bund in seiner Onlineausgabe berichtet, unterbreitete Alder nun in einem Brief dem Nationalrat einen Kompromissvorschlag.

Zwar sei der ehemalige Monopolist einverstanden mit einer vollständigen Liberalisierung des Kupferkabels, heisst es in dem Schreiben, doch die Öffnung aller Netze könne die Swisscom nicht akzeptieren. Es gehe nicht an, dass die Swisscom die modernste Infrastruktur baue und diese dann den Wettbewerbern zu Bedingungen zur Verfügung stellen müsse, die der Staat festlege. Laut dem Bericht schlägt Alder als Kompromiss vor, nur das Kupferkabel für die Festnetztelefonie vollständig für die Konkurrenz zu öffnen. Dadurch wären auch die Wettbewerber zu Investitionen gezwungen, wenn sie höherwertige Dienste anbieten wollten.

Vor allem fürchtet Alder anscheinend, dass die vollständige Öffnung der Telekommunikationsnetze zu mehr Regulation im ADSL-Bereich führen wird. Noch kann die Swisscom den Bereitstellungspreis für ADSL selber bestimmen, da sie die Internetanschlüsse freiwillig der Konkurrenz überlässt. Würden aber Zugang und Wiederverkauf liberalisiert werden, würde die die Kommunikationskommission (ComCom) über die Preise entscheiden. Wenn nur das Kupferkabel liberalisiert werde, wäre die umstrittene Forderung der Kommission erfüllt, dass jeder Anbieter in die Infrastruktur investieren müsse. Nach Angaben der Zeitung in Bern kritisierte der Swisscom-Wettbewerber Tele2 den Kompromissvorschlag Alders. Die Öffnung des Kupferkabels sei nur dann interessant, wenn die Benutzer viel telefonieren. Bei den andern Kunden sei es dagegen wichtig, dass alternative Anbieter auch selber Rechnungen für den Hausanschluss stellen könnten.