WLAN

WLAN: Internet für alle in Städten auf dem Vormarsch

Flächendeckende WLAN-Netze in Luzern, St. Gallen und Zürich
Von Janko Weßlowsky

Durch den massiven Ausbau der kabellosen Highspeed-Internetzugänge rücken jedoch auch deren Probleme mit in den Vordergrund. Während bei Projekten wie in Luzern die Hotspots von den am Netzaufbau beteiligten Firmen und der Stadt bereitgestellt werden und der Nutzer sich über einen Anbieter wie zum Beispiel TIC einwählt, ergibt sich in St. Gallen ein rechtliches Problem. Denn hier fungieren die einzelnen Nutzer selbst auch als Funkzellen, wodurch sich die Versorgungsreichweite des gesamten Netzwerkes erhöht. Nur so kann sich die Idee durchsetzen und die Anzahl der Hotspots erhöhen, das Netzwerk expandieren. Nachteilig ist jedoch, dass sich natürlich auch andere Nutzer über die eigene Funkzelle ins Netzwerk einwählen können. Und daraus resultieren durchaus rechtliche Bedenken.

Denn was der andere Nutzer herunterlädt oder im Internet ansieht, bekommt man in der Regel selbst gar nicht mit. Werden auf diese Weise durch Dritte illegale Inhalte herabgeladen, kann dies schnell zu unangenehmen Konsequenzen führen. Die rechtliche Lage dazu ist in der Schweiz noch immer ungeklärt. Das geltende Recht gibt auf diese Fragen keine eindeutige Antwort - und so sind in einem solchen Fall zumindest unangenehme Ermittlungen zu erwarten, die strafrechtlichen Konsequenzen nicht absehbar. Erst im Oktober 2006 wurde eine Neuregelung der rechtlichen Lage vom Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) zumindest angekündigt. Wer diese Problematik umgehen möchte, muss seinen Zugang so absichern, dass er zwar das WLAN-Netz nutzen kann, selbst aber nicht als Funkinsel für andere fungiert.

Viele private Nutzer haben dabei offensichtlich aber entweder noch nicht das nötige Bewusstsein oder schlicht nicht die entsprechenden Kenntnisse, um ihren Router gegen unbefugtes Mitsurfen Fremder abzusichern. Wie Tests der lose organisierten Gruppe wardriving.ch ergaben, waren bei Testfahrten durch Bern und Zürich noch immer etwa die Hälfte bzw. ein Drittel aller gefunden Accesspoints gegen unbefugtes Eindringen vollkommen ungesichert.

Fazit

Nach Firmen- und privaten WLAN-Hotspots sind nun also auch die öffentlichen kabellosen Netzwerke auf dem Vormarsch. Die Idee des "Internets für alle", an dem auch jene partizipieren können, die nicht zu Hause über einen Zugang verfügen, scheint sich langsam aber sicher durchzusetzen. Bei aller Euphorie für die Verbreitung flächendeckender WLAN-Netzwerke sollten die daraus entstehenden Probleme jedoch nicht vollkommen ignoriert werden. Um rechtliche Probleme zu umgehen, sollte der eigene Router gegenüber fremden Mitsurfern dicht gemacht werden, Sicherheit an erster Stelle der Überlegungen stehen. Dies freilich widerspricht der Idee des "gemeinschaftlichen Internets", da ein Netzwerk wie jenes in St. Gallen nur dann funktionieren kann, wenn möglichst viele der Nutzer ihre Router als Hotspots zur Verfügung stellen und so eine hohe Reichweite des Netzwerkes überhaupt ermöglichen.

Attraktiv ist das Projekt in St. Gallen in jedem Fall - kostenloses Surfen bieten andere WLAN-Netze eben nicht. Zwar bieten auch die anderen grossen Netzwerke wie Luzern oder Zürich die Möglichkeit eines weitgehend orts-unabhängigen Highspeed-Internetzuganges, doch sind die hier anfallenden Kosten schon nach kürzerer Zeit äusserst hoch, zumindest verglichen mit den gängigen Angeboten der ADSL-Anbieter, die man unserer Übersichtsseite entnehmen kann. So kostet der TIC Traveller Account monatlich zwar nur 9,90 Franken - was im Vergleich zu Grundgebühren ab 44 Franken zunächst niedrig wirkt. Jedoch handelt es sich bei den allermeisten ADSL-Angeboten um Flatrates. Dank der WLAN-Roaminggebühren von 30 Rappen je Minute kommt ein TIC Traveller Account den Nutzer schon nach zwei Stunden zunehmend teuer zu stehen. Solcherlei WLAN-Netze eignen sich daher eigentlich nur für reine Gelegenheitssurfer ohne eigenen DSL-Anschluss oder eben für unterwegs. Für eine intensive Nutzung bieten jedoch eigentlich nur Projekte wie jenes in St. Gallen eine verlockende Alternative, zumindest solange man sich der rechtlichen Problematik dabei bewusst ist.

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