Ermittlungen

Dubiose Beraterverträge auch bei Siemens-Mobilfunksparte

Schweizer Tochter soll als "Geldwaschmaschine" fungiert haben
Von ddp / Björn Brodersen

Bei den Ermittlungen wegen möglicher schwarzer Kassen im Siemens-Konzernbereich Festnetz gibt es laut einem Magazinbericht erste handfeste Hinweise, dass auch in der Mobilfunksparte (ICM) des Münchner Weltkonzerns über Jahre hinweg mit dubiosen Beraterverträgen agiert wurde. Das gehe aus einem streng vertraulichen Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG vom 9. November vergangenen Jahres hervor, berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel heute vorab.

In dem Papier haben die Wirtschaftsprüfer des Konzerns dem Bericht zufolge minutiös aus ihrer Sicht dubiose Zahlungen an externe Berater des Kommunikationsbereichs (Com) aufgelistet. So seien rund 1,7 Millionen Euro zwischen dem 27. Oktober 2005 und dem 24. Februar 2006 aus ICM-Kassen an die Schweizer Siemens-Tochter Intercom Telecommunication Systems geflossen. Die Firma stehe bei Schweizer Fahndern und in München im Verdacht, als "Waschmaschine" für Schmiergeldzahlungen fungiert zu haben.

Ausserdem tauchten in dem Dokument weitere fragwürdige Zahlungen der Mobilfunksparte unter der Buchungsnummer 7277 auf. Laut dem KPMG-Papier seien für "alte Business-Beraterverträge" mehrere Millionen an Firmen mit Namen wie Shaanxi Sanhuan, Everloyal oder ICC in China gegangen, schreibt der Spiegel. Die Zahlungen seien mit einem hohen Risiko als "Foreign Corruption Practices" versehen, weil Empfänger oder Leistungen nicht klar zu identifizieren waren. Es bestehe der Verdacht, dass Siemens sich dadurch bei Aufträgen im Ausland einen Vorteil verschafft haben könnte.

Siemens wollte auf Anfrage wegen der laufenden Ermittlungen keine Stellungnahme abgeben, wie das Magazin schreibt.