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Orange-Sunrise-Fusion: Keine gute Nachricht für den Kunden

Zu befürchten sind weniger Auswahl und höhere Preise
Von Rainhold Birgmann
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Eine wirkliche Überraschung war die Mitteilung heute morgen nicht. Orange möchte Sunrise kaufen – das war eigentlich schon lange klar. Spätestens nachdem öffentlich diskutiert wurde, ob die Mobilfunknetze zusammen genutzt werden können, war offensichtlich, dass etwas passieren wird. Das heute präsentierte Modell einer Fusion ist nichts anderes als die Übernahme von Sunrise durch Orange. Diese kaufen zunächst 75 Prozent der Firma und haben dann nach und nach die Möglichkeit, Sunrise gänzlich zu übernehmen. Das Sagen in der neuen Firma hat Orange. Der CEO von Orange Schweiz, Thomas Sieber, wird auch CEO der neuen Firma. Die Sunrise-Führung scheidet aus. Nach der Erfahrung durch die Übernahme von one in Österreich durch Orange wird es wohl darauf hinauslaufen, dass dann auch Sunrise als Marke entfällt und nur noch Orange übrig bleibt. Der Geschäftssitz der neuen Firma wird wahrscheinlich der heutige Sitz von Orange sein. Da passt es gut, dass Sunrise aus den Tower-Gebäuden in Zürich ohnehin ausziehen will.

Für den Kunden ist das keine gute Nachricht. Zwar mag es auf den ersten Blick attraktiv aussehen, eine neue Firma mit rund 35 Prozent Marktanteil auf dem Mobilfunkmarkt aufzubauen, die dann tatsächlich der Swisscom gefährlich werden kann. Jedoch stellt sich die Frage, ob diese auch gefährlich wird. Was nach einer Übernahme wirklich passiert, durften die Konsumenten miterleben, als Sunrise den kleinen Anbieter Tele2 gekauft hat. Für den Konsumenten hat dies nicht zu mehr Wettbewerb geführt. Das Gegenteil war der Fall: Die für Langtelefonierer interessanten Tarife Big Deal und Smart Deal Prepaid wurden vom Markt genommen - es gab also weniger Auswahl und höhere Preise.

Orange war bisher am Markt kein Preisbrecher

Wie sieht es nun bei Sunrise und Orange aus? Ein Blick auf das Verhalten der Anbieter bisher, lässt Böses ahnen: Orange war am Markt bisher kein Preisbrecher. Angebote wie das neue Red Bull Mobile, Lycamobile, Aldi Mobile oder auch Yallo sind alle im Sunrise-Netz aufgebaut. Orange hat sich gänzlich anders verhalten. Zwar bieten sie mit Coop ebenfalls eine Prepaidkarte an, die aber teurer ist als die im Swisscom-Netz realisierte Karte von Migros. Auch die Angebote von Cablecom sind nicht sonderlich attraktiv.

Bezüglich der Innovation sieht es auch eher so aus, dass Sunrise hier aktiver war: EDGE ist bis heute im Orange-Netz ein Fremdwort, HSDPA dümpelt an vielen Orten mit 1,8 MBit/s vor sich hin. Eine solche Strategie kann eine Firma, die Swisscom angreifen will, nicht zum Erfolg führen. Hier wäre es für den Konsumenten besser, Sunrise hätte Orange gekauft.

Aber auch das verspricht keine gute Zukunft: Sunrise hat erst die Gebühren für Telefonate erhöht. So kosten Anrufe zu den Submarken wie Yallo nun die Preise für externe Gespräche. In den zero-Tarifen wird im Minutentakt abgerechnet, Optionen werden nicht mehr dem Mindestverzehr gutgeschrieben. Eine Kombination aus beidem soll nun besser für den Konsumenten sein?

Auf der folgenden Seite lesen Sie, warum die Weko nur zwischen Pest und Cholera wählen kann.

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