Mobile Messaging

Zwischen SMS und Joyn - Messenger-Apps auf dem Durchmarsch

GSMA will Trend mit neuem Standard RCS-e entgegenkommen
Von dpa / Susanne Kirchhoff
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160 Zeichen für rund zehn Rappen oder mehr, und das milliardenfach. SMS sind ein gutes Geschäft - aber nicht für den Verbraucher. Der kann inzwischen mit Smartphone-Apps und Datenflatrate übers Internet viel günstiger kommunizieren. Auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona buhlen deshalb Messenger-Apps um die Gunst der Kunden - und die Netzbetreiber kündigen mit Joyn einen SMS-Nachfolger an.

Auf der Messe vertreten ist zum Beispiel ICQ, ein Text- und Sprach-Messenger, der für alle mobilen Betriebssysteme verfügbar ist. "Wir haben uns im letzten Jahr geöffnet", erklärt ICQ-Geschäftsführer Yaniv Levinson. Der Status kann zum Beispiel in soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter übertragen werden. Und aus der App heraus sind Chats beispielsweise mit Facebook, Google Talk oder AIM möglich. Kurz vor der Messe ist das Unternehmen noch einen Schritt weiter gegangen. ICQ ist dabei, die Werbebanner aus den Apps zu entfernen. "Es gab viel Feedback von Nutzern, wie störend das ist." An neuen Features führe ICQ gerade Filesharing, eine Standortfunktion und einen Gruppenchat ein. In einigen Ländern sei auch ein Gratis-SMS-Angebot geplant, so Levinson.

Pinger: Finanzierung über Interkonnektionsgebühren und Werbung

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt Pinger. Bisher war Pinger in erster Linie ein SMS-Dienst für iOS und Android, nun gibt es zusätzlich Telefonie mit einer eigenen Mobilfunknummer samt Mailbox und Desktop-Programmen für Windows und Mac. Auch eine Facebook-Integration ist geplant.

Gleich geblieben ist der eigenwillig sportliche Ansatz: Nutzer müssen Punkte sammeln, die es für jede empfangene SMS und nun auch für jeden Anruf von ausserhalb der Community gibt - dahinter stecken Verbindungsgebühren, die sich Netzbetreiber gegenseitig in Rechnung stellen. Nichtmitglieder auf der ganzen Welt können so kostenlos angerufen oder per SMS angeschrieben werden - nur kostet das eben Punkte. Mitgründer Joe Sipher hält die Einbindung in die traditionellen Telekommunikationsinfrastruktur für den grössten Vorteil von Pinger: "Mit unserem Dienst kann man jedem eine Nachricht schicken und jeden anrufen."

Fast schon ein Klassiker: WhatsApp

Wenn es um reine Textnachrichten geht, ist auch WhatsApp ein viel genutzter Dienst, dessen App für alle mobilen Plattformen verfügbar sind. Darüber hinaus können die Nutzer untereinander Musik, Videos oder Fotos austauschen. Eine Alternative sind sogenannte Multimessenger, mit denen man den Textchat vieler Messenger gleichzeitig nutzen kann. Sie heissen IM+, Trillian, Fring oder Nimbuzz und bieten im eigenen Netzwerk wiederum Sprachchats und andere Funktionen an.

Joyn soll SMS-Nachfolger werden

Dass die SMS angesichts der Innovationen längst in die Jahre gekommen ist, hat nun auch die GSM Association (GSMA) bemerkt, also die versammelte Netzbetreiber-, Mobilfunk- und Netzwerkindustrie und ihres Zeichens Ausrichter des MWC. Sie hat in Barcelona den offiziellen Nachfolger der 160-Zeichen-Kurznachricht vorgestellt. Der neue Standard, den erste Handys ab Sommer 2012 beherrschen sollen, wird als Joyn vermarktet und heisst intern Rich Communication Suite enhanced (RCS-e). Nicht nur längere Kurznachrichten sollen damit möglich sein, sondern zum Beispiel auch Videotelefonie, Standortmitteilungen und Dateitransfers - allerdings gegen Bezahlung. Details dazu, wann und zu welchen Bedingungen Joyn eingeführt werden soll, sind bisher noch nicht bekannt.

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